Feng Shui Garten Mensch

Der Mensch nimmt auf seinen Garten nach seinen Vorlieben Einfluss

Steht doch in beiden Fällen sowohl im Barockgarten als auch beim Bonsai als Basis für aktives Gestalten der Natur ein nicht-einverstanden-sein-wollen des Menschen mit den natürlichen Gegebenheiten und der Wille, diese Gegebenheiten nicht zu akzeptieren und nach eigenen Vorstellungen zu verändern.

Und in beiden Fällen, zwar mit sehr verschiedenen Intentionen, spielt die Religion entscheidend mit hinein, ja wird zum Teil auch als Basis und Rechtfertigung für diese Vorgehensweise herzitiert. An dieser Stelle wird die Bedeutung und der Fokus der gärtnerischen Aktivitäten mehr als deutlich.

Die Dimension, die hinter dieser Aktivität steht, wird durch die Verkleinerung und Beschneidung des Natürlichen soweit reduziert, um es dem Menschen zu ermöglichen, seine Illusion aufrecht zu erhalten, dass er Kraft seines Willens und Denkvermögens in der Lage ist, die Natur für sich greifbar und damit begreifbar zu machen und in seinen Besitz überführen zu können. 

Die Ursache für den Wunsch nach diesem Besitz muss in einer über alles erhabenen Angst vor den Kräften der Natur, die sich auf friedvolle Weise im Wachstumsprozess zeigt, liegen.

Was der Mensch in Besitz nehmen kann, kann ihn nicht beherrschen und somit hat es nicht die Macht, ihn zu zerstören. Etwas, das so klein ist, dass ein Mensch es als Abbild seiner heimatlichen Umgebung an jeden Platz der Welt transportieren kann, kann er nur verlieren, wenn er es bewusst oder unbewusst zurück lässt, wenn er es nicht gut pflegt oder ihm gestohlen wird.

Also bleibt ihm die Heimat an jedem Ort der Welt, den er betritt erhalten. Oder er kann sich auch Welten, die er selber nie bereisen kann, in Form derer Bonsai kaufen und in sein Wohnzimmer stellen. Wo ist da der Unterschied zum barocken König, der seine Gärtner veranlasst, die Buchsbäume so in Formen zu beschneiden, dass aus Bäumen Vögel, Fische, Obelisken oder Pyramiden werden?

Betrachten wir doch einmal die Gartenarchitektur im arabischen Raum, ob sie anders zu sehen ist. Auch hier finden wir streng geometrische Formschnitte und Beete, eingefasste Wasserläufe und Springbrunnen.

Ein solcher Garten wurde angelegt als Abbild dessen, was der Mensch sich unter den Paradiesgärten vorstellt. Berücksichtigt man noch die steinigen, trockenen Landschaften des arabischen Lebensraums, versteht man auch sofort die Vorliebe für reichlich eingesetzte Wasserelemente in den unterschiedlichsten Spielarten.

Parfümierte Wasserbecken, bepflanzt mit Seerosen, duftende, blütenreiche Beete und mit Ornamenten verzierte Gebäude in den Gärten geben zum Wüstendasein als romantischen, verspielten Gegensatz ein wirklich paradiesisch anmutendes Gegenüber.

Betritt man in einer sternenklaren Vollmondnacht einen solchen Garten, kann man sich leicht in ein Märchen aus 1001-Nacht versetzt fühlen oder in Sequenzen eines arabischen Liebesgedichtes versetzt fühlen, in ein Paradies, fern den Realitäten dieser Welt.